Grafik: Flagge Deutschland.



30.06.2017

Gedanken zum persönlichen Abschied aus dem Deutschen Bundestag

Kaster: „Bis zum letzten Tag zu 100 Prozent Bundestagsabgeordneter"

Ich bin 2002 das erste Mal in den Bundestag gewählt worden, seit der Wahl 2005 vertrete ich den Wahlkreis Trier und Trier-Saarburg als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter. Ich habe ein Bundestagsmandat immer als Mandat auf Zeit verstanden. Alle vier Jahre müssen die Wählerinnen und Wähler neu über ihre Abgeordneten, aber auch die Abgeordneten müssen entscheiden, ob sie sich noch einmal neu zur Wahl stellen möchten. Nach zwei Jahrzehnten in der Berufspolitik, zunächst als Bürgermeister und vier Wahlperioden als Bundestagsabgeordneter, sah ich einfach den Zeitpunkt gekommen, mich frei und sehr bewusst gegen eine erneute Kandidatur zu entscheiden.

BERLIN/TRIER/TRIER-SAARBURG. Mit Focus Online habe ich über meine Erfahrungen als Bundestagsabgeordneter gesprochen und in diesem Zusammenhang einige Fragen beantwortet:

Fragen: 

1. Wie lange waren Sie Bundestagsabgeordneter und in welchem Wahlkreis?
2. Was hat Sie bewogen, 2017 nicht mehr für einen Sitz im Bundestag zu kandidieren?
3. Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Bundestag?
4. Was werden Sie vermissen, wenn Sie nicht mehr Bundestagsabgeordneter sind?
5. Welcher Moment, welche Rede, welches Ereignis im Parlament ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
6. Welche Entscheidung fiel Ihnen am schwersten?
7. Gibt es eine Entscheidung, die Sie heute bereuen?
8. Welchen Fehler würden Sie heute nicht mehr machen?



Meine Antworten:

1. Ich bin 2002 das erste Mal in den Bundestag gewählt worden, seit der Wahl 2005 vertrete ich den Wahlkreis Trier und Trier-Saarburg als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter. 

2. Ich habe ein Bundestagsmandat immer als Mandat auf Zeit verstanden. Alle vier Jahre müssen die Wählerinnen und Wähler neu über ihre Abgeordneten, aber auch die Abgeordneten müssen entscheiden, ob sie sich noch einmal neu zur Wahl stellen möchten. Nach zwei Jahrzehnten in der Berufspolitik, zunächst als Bürgermeister und vier Wahlperioden als Bundestagsabgeordneter, sah ich einfach den Zeitpunkt gekommen, mich frei und sehr bewusst gegen eine erneute Kandidatur zu entscheiden. Jetzt sind einfach andere dran.

3. Zunächst bin ich bis zum letzten Tag zu 100 Prozent Bundestagsabgeordneter, danach möchte ich wieder in die normale Lebens- und Berufsbiographie zurück. Meine neue Aufgabe soll mir auf jeden Fall wieder deutlich mehr Zeit bei meiner Familie ermöglichen, als Abgeordneter lebt man etwa das halbe Jahr getrennt voneinander. 

4. Viele gute Kolleginnen und Kollegen, engagierte und loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sich für die eigene Heimat doch sehr direkt einmischen zu können.

5. Eindeutig die Rede von Papst Benedikt XVI. im Bundestag am 22. September 2011. Seine Rede vom hörenden Herzen war für mich ein sehr beeindruckender und nachhaltiger Moment. Ich konnte diese Rede dank meiner Platzierung in direkter räumlicher Nähe erleben, denn mein Platz war so ausgerichtet, dass kein weiterer Sitz zwischen mir und dem Papst angeordnet war.

6. Die in der Koalitionsdisziplin notwendige, aber von mir innerlich abgelehnte Entscheidung zur PKW-Maut. In jeder Koalition gibt es Vorhaben, für die man selbst besonders gekämpft hat – wie beispielsweise die Mütterrente –, aber es gibt auch Vorhaben, deren Unterstützung schwerfällt. In einem Parlament muss ein Abgeordneter aber in der Lage sein, Kompromisse mitzutragen. Dies habe ich mit meiner Zustimmung getan.

7. Ganz offen: Nein.

8. Zu glauben, jeder Einladung nachkommen und jedem Anliegen gerecht werden zu müssen. Das geht schlichtweg nicht und das muss wohl jeder Abgeordnete erst einmal selbst erfahren und lernen.

Stand: 25. Juni 2017

http://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl_2017/sie-treten-nicht-noch-einmal-an-gernot-erler-maria-boehmer-rainer-arnold-bernhard-kaster-und-andere_id_7271100.html



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